Deutschland blickt nach Schweden: Kann die „Schweden-Rente“ die Rentenkrise lösen?
- Kevin Skarin
- vor 12 Minuten
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Auf der Pressekonferenz am 23. Juni 2026 präsentierte die Altersicherungskommission ein Reformvorschlagpaket mit insgesamt 33 Einzelmaßnahmen des deutschen Rentensystems. Als Inspiration für die einige davon vorgeschlagenen Reformen dient das schwedische Rentensystem.
Seit Jahren ist die Rentenpolitik Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen. Angesichts der Herausforderungen des demografischen Wandels rückt die Zukunft der Alterssicherung erneut in den Mittelpunkt der politischen Debatte. Doch im Gegensatz zu früheren Jahren herrscht heute relativ große Einigkeit. Die schwarz-rote Koalition unterstützt die Empfehlungen der Kommission und kündigt an, Elemente der „Schweden-Rente“ übernehmen zu wollen. Damit stellt sich die Frage: Worin unterscheiden sich die beiden Systeme und was könnte eine „Schweden-Rente“ für die Zukunft der deutschen Rentenversicherung bedeuten?

Das schwedische Rentensystem
Wie in Deutschland basiert auch das schwedische Rentensystem auf drei Säulen: der Gesetzliche Rentenversicherung (Allmänna Pensionssystem), der Betriebliche Altersvorsorge (Tjänste Pension) und der Private Altersvorsorge (Privat Pension).
Im Vergleich zu Deutschland verfügen in Schweden 9 von 10 Arbeitnehmer:innen über eine zusätzliche betriebliche Altersvorsorge. Diese ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, wird jedoch in vielen Fällen durch Tarifverträge geregelt. Darüber hinaus gewinnt auch die private Altersvorsorge zunehmend an Bedeutung.
Während die betriebliche und die private Altersvorsorge freiwillig sind, gilt die Schwedische Gesetzliche Rentenversicherung für alle, die in Schweden gewohnt oder gearbeitet haben. Dazu gehören auch staatliche Arbeitnehmer:innen, private Arbeitgeber:innen, ja sogar der König.
Für Menschen, die nicht genug Einkommen verdienen, gibt es zudem eine steuerfinanzierte Mindestsicherung, sodass alle Menschen im Alter über ein Mindesteinkommen verfügen. In der Praxis schützt dieses System jedoch nicht vollständig vor Altersarmut. Deshalb erhalten Rentner:innen zusätzliche Förderung, z.B Wohngeld.

Der demografische Wandel
Vor allem aufgrund der demografischen Alterung hatte die Alterssicherungskommission die von der Bundesregierung bekommen, Vorschläge für eine umfassende Rentenreform zu erstellen. Der demografische Wandel bedeutet, dass künftig immer weniger Beitragszahlende die Renten einer wachsenden Zahl von Rentner:innen finanzieren müssen.
Dadurch gerät die Finanzierung zunehmend unter Druck. Der Staat steht vor der Herausforderung, entweder die Beiträge/Steuern zu erhöhen oder die Rentenbedingung zu verschlimmern, das sich auf alle Generationen auswirken würde.
Schweden zeigt jedoch einen dritten Weg für das deutsche Rentensystem. Statt an einer festen Regelaltersgrenze festzuhalten, wird das Renteneintrittsalter sukzessive an die steigende Lebenserwartung angepasst. Dadurch sollen die Rentenkosten langfristig stabilisiert werden.
Ein weiterer Teil des schwedischen Systems ist die sogenannte Prämienrente (Premiepension), die Teil der gesetzlichen Rentenversicherung ist. Von den gesamten Rentenbeiträgen in Höhe von 18,5 Prozent des Jahreseinkommens werden 2,5 Prozent in Fonds an Börse investiert. Ziel ist es, die Finanzierung der Renten langfristig zu stärken.
Die Indexfonds können selbst entscheiden, in welche Fonds ihre Beiträge investiert werden sollen. Alternativ können sie ihr Geld im staatlich verwalteten Fonds „AP7 Såfa“ anlegen, der in den vergangenen Jahren zweistellige Rendite abgeworfen hat. Das System ist von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängig, das Risiko von Börse Fall wird jedoch mit zunehmendem Alter sukzessive reduziert.

Deutschland blickt nach Schweden
Derzeit zeichnet sich ab, dass sich das deutsche Rentensystem in Zukunft stärker an der „Schweden-Rente" orientiert. Auch wenn das schwedische System nicht perfekt ist, zeigt es, dass es Möglichkeiten gibt, den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte auf der Pressekonferenz:
“Die Skandinavier haben es geschafft, und wir, meine Damen und Herren, können das auch.”




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