• Peter

Wie wir wohnen wollen - und wie schwedische Firmen damit Geld verdienen

Wie leben wir und warum leben wir so wie wir es tun? Was ist heute in einem Haus wichtig, und was erwarten wir vom Wohnumfeld?

In Deutschland leben 54 % der Bevölkerung zur Miete, mehr als irgendwo sonst in Europa. Der Standard für eine typische deutsche Familie beträgt 97 Quadratmeter, aufgeteilt auf 2 Erwachsene und 2 Kinder. Hausbesitzer leben auf 136 Quadratmetern, ein bisschen größer. Die Mieten sind im Laufe der letzten Jahre in den größeren Städten und Universitätsstädten stetig gestiegen. Vor allem in Zentrumsnähe hat die Nachfrage nach Wohnangeboten stark zugenommen, während die kleineren ländlichen Städte verlieren. Viele Menschen sind lange Pendelwege einfach leid und bevorzugen kurze Wege zur Arbeit.

In Folge der – nicht zuletzt durch die anhaltenden Niedrigzinsphase bedingten – hohen Nachfrage befindet sich Bausektor in Deutschland in einem Aufschwung und verzeichnete 2017 mit 2,5 Prozent die höchste Zahl seit 2011. Und 2018 dürfte die Bauwirtschaft das größte Wachstum der gesamten Wirtschaft verzeichnen. Der Deutsche Bauverband (ZDB) und der Bundesverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) rechnen mit einem Umsatzplus von 4%; über 800.000 Beschäftigte sind in der Baubranche beschäftigt. Allerdings gibt es derzeit eine problematische Entwicklung, denn es entstehen bevorzugt große und teure Immobilien, während die Verbraucher nach bezahlbaren Miet- und Kaufoptionen suchen. In der Tat sagen viele Experten, dass sich der deutsche Bau verändern muss, er müsse intelligenter und besser bauen und mehr auf die Kundenbedürfnisse eingehen. Doch wie genau? Innovative Bautechniken sind gefragt, digitale Werkzeuge können bei der Planung und während des Bauprozesses vieles optimieren. Auf dem Vormarsch sind modulare Einheiten. Ganze Räume und Gebäudeteile werden samt Technik und Leitungen in der Montagehalle vorproduziert und dann auf der Baustelle in wenigen Tagen montiert. Dies ermöglicht niedrigere Baukosten und ermöglicht niedrigere Wohnkosten.



Schwedische Konzerne wissen, was die Deutschen wollen

Interessanterweise gibt es gleich zwei schwedische Unternehmen, die die Situation auf dem deutschen Wohnungsmarkt sehr erfolgreich zu nutzen verstehen – beide, indem sie die Wünsche und Bedarfe der deutschen Kunden sehr genau erfragen und mit umfassenden, intelligenten und bezahlbaren, dabei aber durchaus unterschiedlichen Angeboten bedienen. Hätten Sie gewusst, dass eine schwedische Firma der größte Projektentwickler für den Wohnungsbau in Deutschland ist? Bonava (früher NCC) mit Sitz in Fürstenwalde bei Berlin hat ein prozessoptimiertes Projektsteuerungsverfahren entwickelt und vereint als Generalunternehmern und Bauträger alle Bauphasen in einer Hand. In nahezu allen deutschen Metropolregionen baut Bonava Wohnungen und Häuser und verkauft diese an Privatleute und institutionelle Investoren. Im vergangenen Jahre baute Bonava in Deutschland 2.412 Häuser und Wohnungen. Um so erfolgreich zu agieren, spielt es eine große Rolle, schon bei der Planung zu wissen, was die späteren Eigentümer wollen. Nach eigenen Marktforschungen gibt es Faktoren, auf die die Deutschen heute besonderen Wert legen, wenn es um das Wohnumfeld geht: Sicherheit ist dabei einer der wichtigsten Faktoren. Ganze 82% der Befragten fühlen sich in ihrer Nachbarschaft wohl, wenn sie ein sicheres Gefühl haben. Familien legen besonders großen Wert auf kurze Wege. Kindergarten, Schule, Supermarkt und Büro sollten idealerweise nur einen Katzensprung entfernt sein. 71% der Befragten wollen ihre Besorgungen möglichst zu Fuß oder mit dem Rad erledigen. Hinzu kommt der Wunsch, sich in der Nachbarschaft zu engagieren und zu vernetzen. Einen vielfältigen Generationenmix wünschen sich 45% in ihrem Wohnumfeld. Familien fühlen sich besonders an Orten wohl, an denen Nachbarschaft gelebt wird. Es ist eben einfach praktisch, wenn man sich schnell den Rasenmäher vom Nachbarn leihen kann und die neuen besten Freunde der Kids gleich nebenan wohnen. Ein weiterer Erfolgsfaktor (neben bezahlbaren Preisen) ist die Nachhaltigkeit: Die Schweden planen von der Lüftung bis zur Heizung, von der Konstruktion und Platzierung der Fenster bis hin zur Baustoffwahl für ein gesundes Raumklima und arbeiten mit anerkannten Nachhaltigkeitszertifikaten. Zudem werden die Siedlungen intensiv und nach ökologischen Konzepten begrünt.