Weihnachten in Schweden

Aktualisiert: 7. Jan 2019

Viel zu viel essen, Glögg trinken und Donald Duck um 15 Uhr gucken, so

feiert man Weihnachten in Schweden. Oder?

Genau wie in Deutschland ist Weihnachten einer der wichtigsten Feiertage in Schweden und das Fest der Familie. Man trifft seine engsten Verwandten und man ruht sich aus.




So zumindest die Idee – aber eine Mehrheit der Schweden ist an Weihnachten ziemlich gestresst. Tolle Geschenke sollen gefunden, gutes Essen vorbereitet und das Haus gemütlich dekoriert werden. Und all das, obwohl das eigentliche Weihnachten im Grunde nur ein Tag lang ist, oder genauer nur ein halber Tag. Man trifft sich normalerweise gegen Mittag oder manchmal später – aber auf jeden Fall vor "Kalle Anka" (Donald Duck), dessen Sendung an Heiligabend um 15 Uhr im schwedischen Fernsehen beginnt. Das ist die heiligste der heiligen Traditionen in Schweden. Zu Donald Duck gehört auch immer ein sogenannter Weihnachtsprecher. Wer dieser Sprecher sein soll, ist alljährlich ein heißes Thema. Arne Weise war es von 1972-2002, er ist vielleicht der Beliebteste von allen. 2018 werden wir mit Erik Haag und Lotta Lundgren zum ersten

Mal ein Duo als Weihnachtssprecher sehen. Bekannt geworden sind die beiden mit ihrem Infotainmentprogramm "Historieätarna" (kursiv), bei dem historische Ereignisse am Thema Essen erklärt werden. Mit ihnen als Weihnachtssprecher wird deshalb

das schwedische Julbord vermutlich eine noch zentralere Rolle einnehmen.


Dieser „Weihnachtstisch“ ist eine sehr alte Tradition mit Wurzeln bis in die Wikingerzeit. Was auf den Tisch kommt, hat sich mit der Zeit verändert und variiert von Familie zu Familie. Doch es gibt immer noch 17 Gerichte, die man in Schweden als das klassische Julbord bezeichnet – der Schwede liebt seine Kleingerichte. Einige werden auch an Ostern und Mittsommer aufgetischt, so wie Eier, Hering, Lachs und Köttbullar. Besonders wichtig auf dem Julbord ist der Julskinka, ein großer Backschinken, ummantelt von Senf und Semmelbrösel. Weihnachtslieder ranken sich um den Schinken: das populäre Lied „Vår julskinka har rymt“ beschreibt, wie das Julskinka abhanden kommt.


Lucia und Tomte

Nach Allerheiligen dekoriert der Einzelhandel seine Geschäfte weihnachtlich und ab Dezember klingen die Weihnachtslieder aus jedem Lautsprecher. Der Weihnachtsschmuck ist in Schweden wichtig und so leuchtet in fast jedem Fenster ein Stern oder ein Adventsleuchter. Auch Fernsehen und Rundfunk stimmen auf die Weihnachtszeit ein.

Seit Jahrzehnten läuft in jedem Jahr der Adventskalender für Kinder. Die Sendung wird oft sehr intensiv diskutiert, sie beinhaltet stets eine Botschaft, die für Zündstoff sorgen kann.

Auf dem halben Weg zur Weihnacht wartet Schweden mit einem Höhepunkt auf: die Feier des Lucia-Fests am 13. Dezember. Früh am Morgen legen Lucia und ihr Gefolge weiße Kleider an, die an die italienische Märtyerin erinnern sollen. Lucia trägt eine Krone mit Kerzen auf dem Kopf, ihre Tärnor, die Jungfern, Kerzen in der Hand. Singend bringen sie so das Licht in die Dunkelheit des Nordens - in Schulen, Firmen, Altenheime und Kirchen. Eine große Prozession in Stockholm wird auch im Fernsehen übertragen. Spätestens nach Lucia steigt das Geschenkefieber, die Läden sind voll. Am Heiligen Abend kommt dann der Jultomte, der am Nordpol wohnt, mit seinen Rentieren, um die Kinder zu beschenken. Dabei helfen ihm kleine Nisse, die man traditionell in Häusern und

Ställen findet. Der Nisse beschützt das Grundstück und kümmert sich insbesondere um die Haustiere. Wird er nicht gut behandelt, spielt er Streiche oder verlässt den Hof. In Schweden dekoriert man das Haus überall mit kleinen Nissen oder Tomten.


Gereimte Geschenkkarten

Die Weihnachtsbaumtradition hat Schweden von Deutschland übernommen. Einige schlagen ihre eigene Tanne, viele kaufen sich einen Baum. Für Familien ist es eine wichtige Tradition, den Baum gemeinsam zu dekorieren, und je näher der 24. rückt, desto mehr wächst auch der Geschenkestapel unterm Baum. Doch auch die Last-Minute Schenker können in Schweden beruhigt sein, denn die Geschäfte halten ihre Türen auch an Heiligabend noch geöffnet. Während Weihnachtsmärkte weniger verbreitet sind als in Deutschland, warten schwedische Ladenfenster mit beeindruckenden Winterlandschaften auf. In den Städten finden sich kleine Büdchen mit gebrannten Mandeln und Glögg, um die schlimmste Kälte zu vertreiben. Oft steht hier und da auch ein

Briefkasten, in den die Kinder ihre Wunschzettel zum Tomte an den Nordpol einwerfen.

Für den, der ein bisschen Hilfe braucht um Geschenke zu finden, wird jedes Jahr vom Statistischen Institut des Einzelhandels das „Geschenk des Jahres“ präsentiert. Das Produkt muss neu sein, zur Zeit passen und es soll gute Verkaufsprognosen haben. In den letzten Jahren waren das zum Beispiel VR-Brillen oder Pulsuhren, in diesem Jahr gilt Kleidung aus recycleten Materialien als Geschenktrend.


Schweden haben eine besondere Faszination fürs Singen und Reimen, die sich besonders um Weihnachten herum niederschlägt. Die Tradition will, dass möglichst jedes Geschenk von einem Reim des Schenkers begleitet wird, der vor dem Öffnen

vorgelesen wird. Oft geben die Verse eine Idee davon, was das Geschenk beinhaltet. Nach der Bescherung wird Schnaps getrunken, gesungen und um den Weihnachtsbaum getanzt. „Drei Tage lang feiern“ lautet die Weihnachtsdevise. Glögg, Pepparkakor, Tomte und Donald Duck gehören natürlich dazu – es ist also vieles anders als in Deutschland.

God Jul!

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