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Schweden ist Europas günstigstes Campingland

Aktualisiert: 9. Apr 2019

Von Annika Lobergh


Dass Camping zu den bevorzugten Urlaubsweisen deutscher Schwedenbesucher gehört, ist nicht neu. Aber dass rund ein Drittel aller kommerziellen Übernachtungen auf Campingplätzen stattfinden, ist doch imposant – wildes Campen nach dem Jedermannsrecht nicht mitgezählt. Eine Million Übernachtungen buchten Deutsche im vergangenen Jahr auf Schwedens Plätzen und belegten den zweiten Platz der Auslandsgäste hinter Norwegen. Ein Grund: Deutsche erkunden Schweden gerne auf Rundreisen – Camping bietet dabei große Flexibilität.



Camping in Schweden

Überraschender noch als die Spitzenposition der deutschen Camper ist Schwedens Ranking als das günstigstes unter den großen Camping-Reiseländern Europas. Der ADAC Campingführer vermerkt, dass eine dreiköpfige Familie für eine Übernachtung auf einem Campingplatz in Schweden 31,11 Euro zahlt. In Deutschland musste dieselbe Familie im Schnitt rund 29,13 Euro ausgeben, in der Schweiz sogar 47,97 Euro. Aktuell liegt Schweden mit gut 16 Millionen Übernachtungen auf Platz 7 der Campingnationen in Europa, das Land mit den meisten Übernachtungen auf Campingplätzen ist derzeit Frankreich mit fast 100 Millionen Übernachtungen.


Schweden lieben Camping

Sogar für die Einheimischen ist Camping im eigenen Land die beliebteste Urlaubsform. Die Natur lockt viele Menschen raus aus den Städten. Während der Sommersaison Juni bis August finden laut dem Schwedischen Campingverband SCR rund 43 % aller kommerziellen Übernachtungen auf einem Campingplatz statt. Und es wird kräftig investiert: Die Campingplätze haben in den letzten Jahren gut 150 Millionen Euro ausgegeben und die Standards erheblich verbessert. Vor allem in Freizeitanlagen wie Pool- und Spiellandschaften sowie in die Erhöhung der Übernachtungskapazitäten wurde und wird Geld gesteckt.

Doch Camping ist nicht gleich Camping: Auf den Campingplätzen wohnt die Mehrheit der Besucher im Wohnwagen, erst weit danach kommt das Ferienhaus. Vereinzelt verbringen die Camper ihre Ferien im Wohnmobil oder Zelt. Trotzdem sind die Campingplätze zugleich die größten Vermieter von Ferienhäuschen in Schweden.

Was nicht zu beziffern ist, sind die Übernachtungen in der freien Natur. Dank „Allemansrätten“ (Jedermannsrecht) ist die schwedische Natur für jeden zugänglich. Dieses Recht erlaubt es, in der Natur ein paar Nächte zu zelten. Ausnahmen des Jedermannsrechts bilden Privatgärten, die Nähe zu Wohnhäusern oder bestellte Äcker.


Stressabbau um 70 % – eine Fallstudie


Die Nähe zur Natur spielt auch eine Rolle für die hohe schwedische Lebensqualität. Drei Tage in der schwedischen Natur können den Stresspegel um 70 % senken, fand VisitSweden heraus, als man fünf Nicht-Schweden für einen Versuch in die 72-Hour-Cabin schickte. Die Probanden mit stressigen Berufen durften in speziell für die Studie angefertigten Glashäuser mitten in der Natur leben, während Stressforscher ihre Gesundheit beobachteten. Nach 72 Stunden waren bei allen Teilnehmern der Blutdruck und Puls gesunken und das Stressgefühl hatte deutlich abgenommen. Nach der Fallstudie wurden die Glashäuser von VisitSweden auch für die allgemeine Bevölkerung freigegeben. Jetzt kann jeder das entspannende Glashaus buchen, um selbst die beruhigende Wirkung der schwedischen Natur zu erfahren.


Glamping ist im Kommen

Zelt mitschleppen und auf Luftmatratzen nächtigen ist jedoch nicht jedermanns Vorstellung von Urlaub. Für die Komfortorientierten bietet das sogenannte Glamping eine Alternative. Die relativ neue Urlaubsart, die sich aber bereits in der Reisebranche einen Namen gemacht hat, ist zusammengesetzt aus den Begriffen Glamourous und Camping und ermöglicht einen Naturaufenthalt, der dennoch ein hohes Maß an Luxus mit sich bringt. Der große Vorteil: Alle Unterkünfte stehen bereits an Ort und Stelle. Dazu gehören unter anderem Baumhäuser, Jurten, Safari-Zelte, luxuriöse Zelte, Campervans, kleine Hütten, Mobilheime und Tipis. Manche Unterkünfte sind dabei sehr geräumig, sodass mehrere Betten und eine freistehende Badewanne hineinpassen. Besonders verbreitet ist das Glamping-Angebot in Frankreich, Italien, Deutschland und Kroatien, doch auch Schweden zieht nach. Auf dem Norderstrands Camping in Visby auf Gotland, beim Byske Havsbad in Byske (Västerbotten) oder in der Lodge auf der Stockholmer Schäreninsel Bergholmen locken Luxuszelte, auf Rådastrands Camping in Råda (Värmland) kann man ein Safarizelt buchen.



SCR: Der mächtige Campingverband

Der schwedische Campingverband SCR Svensk Camping ist seit über 50 Jahren die Branchenorganisation für Camping- und Ferienhausbesitzer, an ihr kommt keiner vorbei. 450 Campingplätze gehören dem SCR an und 9.000 Ferienhäuser. Über eine Klassifizierung zu den Aspekten Hygiene, Infrastruktur, Service, Aktivitäten vor Ort und Events gibt der Verband den Campern Orientierung. Dank der obligatorischen Campingkarte, die das Einchecken erleichtert und eine Fülle von Rabatten umfasst, verfügt der SCR über eine erhebliche Marketingpower, denn die 15 € Gebühr tragen zum entsprechenden Budget ordentlich bei. Das seit Jahren bewährte Konzept hat Zukunft: Den Sprung ins App-Zeitalter hat es schon geschafft.



2017 betrug die Anzahl der Übernachtungen auf schwedischen Campingplätzen etwa 15,7 Millionen, ein Anstieg von mehr als 2 Millionen in einem Jahrzehnt. Die Campingplätze machen jährlich einen Umsatz von ca. 400 Millionen Euro und sind damit ein Player auf dem Arbeitsmarkt. Während der Saison sind aufgrund dieser zunehmenden Beliebtheit des Campens zusammengerechnet rund 10.000 Personen angestellt.

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