Palmemord: Die Lösung überzeugt die Schweden nicht

Aktualisiert: Juni 18


Die am 10.Juni präsentierte "Aufklärung" lässt immer noch zu viele Fragen offen. Hier gibt es die ganze Geschichte zum Machlesen.


Von: Sebastian Eklund

„Es gibt einen Mord auf Sveavägen“. Das ist der erste registriert Satz des bemerkenswertesten Mordes in Schweden im Laufe der Geschichte, die Ermordung von Premierminister Olof Palme um 23:21 Uhr, 28. Februar 1986. Es gibt Tausende verschiedener Theorien über den Mord, aber alle sind darüber einig, dass sich Schweden für immer verändern würde. Der Schock war total und landesweit. Ich, der Autor, wurde 5 Jahre nach dem Mord geboren, aber dennoch hat er weitreichende Auswirkungen auf mein Leben und das kulturelle Bewusstsein des Landes, in dem ich aufgewachsen bin. Für mich, und wahrscheinlich für die Mehrheit der Schweden, ist der Palmemord für Schweden so symbolisch wie IKEA und Midsommar. Nach 34 Jahren gab das Ermittlungsteam unter der Leitung des zuständigen Anklägers Krister Petersson bekannt, dass eine Entscheidung über die Zukunft der Untersuchung getroffen wurde. Diese sensationellen Nachrichten gipfelten heute (am zehnten Juni) in einer Pressekonferenz. Es handelt sich um die Geschichte eines völlig einzigartigen Mordes, der anscheinend zu einem sensationellen und unerwarteten Ende gekommen ist.

Die Pressekonferenz und der Skandiamann

In der heutigen Pressekonferenz wurde der Schluss gezogen, dass die Untersuchung nach 34 Jahren offiziell abgeschlossen ist. Der Grund dafür ist laut Ankläger Petersson, dass der Hauptverdächtige nicht mehr am Leben ist. Der Verdächtige wird als Stig Engström genannt, in den Medien als „Skandiamannen“ bekannt.

Skandiamannen war von Anfang an in die Untersuchung einbezogen. Er arbeitete als Grafiker bei der Versicherungsfirma Skandia, in deren Hauptbüro, nur wenige Meter vom Tatort entfernt. In der Nacht, in der Palme erschossen wurde, machte er Überstunden. Er ist zwei Minuten vor dem Mord ausgestempelt und behauptet, er sei kurz nach der Erschießung des Premiers am Tatort eingetroffen. Zwanzig Minuten später kehrte er an seinen Arbeitsplatz zurück und teilte der Eingangswache mit, dass Olof Palme erschossen worden war. Skandiamannen hat der Polizei mehrere widersprüchliche Geschichten über seinen Aufenthaltsort und seine Handlungen während der Zeit des Mordes hinterlassen. Zum Beispiel berichtete er in einigen Versionen, dass er bei der Leistung von Erster Hilfe auf Palme geholfen habe, was kein anderer Zeuge gesehen habe. Er war eifrig bemüht, mit der Polizei und den Medien Kontakt aufzunehmen und seine Geschichte zu erzählen, aber aufgrund der geringen Zuverlässigkeit seiner Aussagen wurde er später weitgehend ignoriert. Nach einer Promemoria durch die Ermittler, in der seine Ähnlichkeiten mit dem Täter diskutiert werden, wird er irgendwie von weiteren Ermittlungen ausgeschlossen.

In der Pressekonferenz kommen Chefankläger Christer Petersson und der Leiter der Ermittlungen, Hans Melander, zu dem Schluss, dass "es unmöglich ist, an Engström als Täter vorbeizukommen". Sie Sie schließen daraus, dass nach einer der größten polizeilichen Ermittlungen aller Zeiten mit 90.000 interessierten Personen und Verhören mit über 10.000 davon, höchstwahrscheinlich Engström das Verbrechen begangen hat. Sie bedeuten, dass Engström nicht in das von anderen Zeugen geschilderte Bild passt und dass er sich nach dem Mord verdächtig verhalten hat. In der Pressekonferenz geht es vor allem darum, wie Engström in mehrere Zeugenbeschreibungen des Täters passen würde, sowohl was seine Kleidung als auch die Zeitabstände betrifft. Ebenso ist sein eigener Bericht über die Geschehnisse nicht vertrauenswürdig. Es wird bestätigt, dass die Polizei einen Revolver getestet hat, der einem Freund von Engström gehört, aber die Kugeln der Mordwaffe sind in einem zu schlechten Zustand, als dass irgendwelche Schlussfolgerungen gezogen werden könnten. Dass Engström, wenn er den Mord begangen hat, allein gehandelt hat, wird als wahrscheinlich angesehen. Der Ankläger spekuliert, dass Engströms häufige Medienpräsenz bei eventuellen Mitverschwörern nicht gut angekommen wäre. Eine Verschwörung mehrerer Personen kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Krister Petersson behauptet, wenn er vor 34 Jahren die Ermittlungen geleitet hätte, hätten die aktuellen Beweise ausgereicht, um Engström zu verhaften, aber wahrscheinlich nicht strafrechtlich zu verfolgen. Die Umstände von Engström sind schwer zu erklären, und da er tot ist, kann die Untersuchung nicht fortgesetzt werden, auch wenn Petersson einräumt, dass sie in Zukunft eröffnet werden kann, wenn neue Beweise ans Licht kommen. Die größte kriminalpolizeiliche Untersuchung in Schweden, möglicherweise international, scheint abgeschlossen zu sein, aber es sind noch einige Fragen zu beantworten. Um die ganze Geschichte zu verstehen, kann es sich lohnen, an den Anfang zurückzugehen.

Der Politiker

Sven Olof Joachim Palme (geboren 1927) war ein Premier mit viel Pathos. Mit einer unbestreitbaren rhetorischen Begabung und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn wird er von dem schwedischen Sozialdemokraten nach wie vor als einer ihrer talentiertesten Vertreter verehrt. Kompromisslos stellte er sich entschieden gegen das Apartheid-Regime, den amerikanischen Krieg in Vietnam und das atomare Wettrüsten im Kalten Krieg. Er bemühte sich nach Kräften, der schwedischen Stimme auf der internationalen Bühne Gehör zu verschaffen, und engagierte sich überall dort, wo er Ungerechtigkeit und die Unterdrückung der Schwachen sah, besonders in Entwicklungsländern. Damals war Schweden kein EU-Mitglied und, wie immer noch, nicht in der NATO. Auf diese Weise konnte sich das kleine Land im Norden sehr unabhängig ausdrücken, was Palme voll ausgenutzt hat.

Dieses Verhalten verschaffte Palme auch Feinde, die ebenso leidenschaftlich wie seine Anhänger waren. Auch vor dem Mord war „Palmehass“ ein gebräuchlicher Begriff zur Beschreibung mehrerer politischer Bewegungen zur damaligen Zeit. Er wurde beschuldigt, gegenüber den Sowjets zu nachsichtig zu sein. Einige, oft nationalistische Gruppen warfen ihm sogar direkt vor, ein Verräter und ein kommunistischer Spion zu sein. Auch bei nicht-radikalen Konservativen war der Hass gegen Palme persönlich erstaunlich weit verbreitet. Ebenso hätten die von Palme als unterdrückerisch oder kriegstreiberisch kritisierten Regierungen sicherlich auch eine zurückhaltende schwedische Führung vorgezogen.

Der Mord


Olof Palme, seine Frau Lisbeth Palme und ihr Sohn mit Freundin hatten am 28. Februar 1986 beschlossen, einen Film bei Kino Grand im Zentrum von Stockholm zu sehen. Die Entscheidung war spontan, und Palme hatte seine Leibwächter für diesen Tag nach Hause geschickt. Nach dem Film, eine unbesschwerte schwedische Komödie, verabschiedete sich das Ehepaar von seinem Sohn und seiner Freundin und begann, gemütlich nach Hause in seine Altstadtwohnung zu laufen. An der Kreuzung zwischen Sveavägen und Tunnelgatan tauchte plötzlich jemand hinter ihnen auf. Schnell ertönten zwei Schüsse. Eine davon drang in Palmes Rücken ein, zerstörte einen Teil seines Rückenmarks und durchtrennte die Aorta, bevor sie in seiner Brust wieder austrat, wobei sie ein Loch in seine Krawatte machte. Die andere Kugel durchschlug Lisbeths Mantel und verletzte sie leicht. Wie die kriminalpolizeilichen Ermittlungen später ergaben, wurde Palme von einem Revolver mit Kaliber 357. Magnum aus einer Entfernung von einigen Dezimetern erschossen. Höchstwahrscheinlich starb er direkt.

Nach Angaben der meisten Zeugen legte der Schütze dann seine Waffe weg und floh die Treppe in der Tunnelgatan hinauf. Passanten eilen schnell zum Mordschauplatz und versuchten vergeblich, Erste Hilfe an Palme zu leisten. In weniger als drei Minuten trafen die ersten Polizeibeamten am Tatort ein. Kurz darauf ist ein Krankenwagen angekommen, und Palme wurde etwa sechs Minuten nach den Schüssen in Richtung Sabbatsbergs Krankenhaus gefahren. Um 00:06 Uhr wurde der Premierminister im Krankenhaus für tot erklärt.

Die strafrechtliche Untersuchung

Mehrere Zeugen meldeten sich in den Tagen nach dem Mord bei der Polizei. Man kam zu dem Schluss, dass niemand, außer vielleicht Lisbeth Palme, zum Zeitpunkt der Tat eine klare Sicht auf das Gesicht des Mörders hatte. Viele der Zeugen hinterließen widersprüchliche Zeugenaussagen, da es Informationen über zwei bewaffnete Männer gab, eine kurze Diskussion zwischen dem Täter und dem Palme-Paar stattfand und so weiter. Einige Zeugen wurden erst lange nach dem Mord richtig befragt. Die meisten stimmten jedoch darin überein, dass der Mörder einen schwarzen Mantel hatte, männlich und in seinem mittleren Alter war. Ein Hauptschwerpunkt der Ermittlungen von 1986 bis heute war das Auffinden der Mordwaffe, da die am Tatort zurückgelassenen physischen Beweise ansonsten rar waren. Die Polizei durchsuchte Register von Waffenbesitzern, tauchte in die vielen Kanäle Stockholms ein und schickte sogar Kampfflugzeuge, um die Waffe zu finden. Zu Beginn der Ermittlungen wurde eine Belohnung von 50 Millionen schwedischen Kronen (fast 5 Millionen Euro) für die Informationen, die zur Festnahme des Täters führten, angekündigt.

Die schwedische Reaktion auf den Mord war von Anfang chaotisch und davon beeinflusst, wie schockiert die kleine Nation darüber war, dass so etwas dort geschehen konnte. Die Kommunikation zwischen Sanitäten, Polizei und Politiker war oft verwirrt und ohne offensichtliche Leitung. Der landweite Alarm war verspätet und der Schutz von dem Rest der Regierung war unzulänglich. Der Tatort war lange nicht richtig gesperrt und wurde durch trauernde Schweden verunreinigt. Es würde noch schlimmer werden.

Als erster Chef für die Untersuchung wurde Hans Holmér, Polizeichef im Stockholms Gemeinde, ernannt. Der Fünfundfünfzigjährige hatte einen eher bürokratischen als polizeilichen Hintergrund und wurde schon früh wegen seiner mangelnden Erfahrung mit Mordermittlungen kritisiert. Holmér hatte jedoch ein umfassendes Kontaktnetz ins damalige sozialdemokratische Establishment und eine überzeugende Ausstrahlung. Bereits einen Tag nach dem Mord berichteten mehrere Zeugen von einem 33-jährigen Mann, der sich am Tag des Mordes hasserfüllt über Palme geäußert hatte. Er wurde bald verhaftet, konnte aber nach einer gründlichen Untersuchung nicht mit dem Verbrechen in Verbindung gebracht werden. Wie viele der Verdächtigen des Palme-Mordes starb er auf unnatürliche Weise, als er 1997 in North Carolina, USA, von einem eifersüchtigen Polizisten getötet wurde.

Der nächste Anhaltspunkt war die vom Terror bezeichnete kurdische Organisation, PKK. Holmér glaubte, dass sie hatten Palme umgebracht wegen Schwedens Klassifikation von ihnen als Terrorgruppe. Die PKK hatte kürzlich mehrere ehemalige Mitglieder in Schweden ermordet, aber Holmér zog Palmes Arbeit für die Rechte des kurdischen Volkes in der Türkei nicht in Betracht. Es war eine Katastrophe. Etwas mehr als ein Jahr musste Holmér nach einer fehlgeschlagenen Razzia gegen über 20 verdächtige PKK-Mitglieder, die alle innerhalb einer Woche freigelassen werden mussten, als Leiter der Untersuchung zurücktreten. Man würde ihn als spektakulär, aber höchst inkompetent in Erinnerung behalten. Er zog es vor, mit Kampfflugzeugen nach der Mordwaffe zu suchen, statt mit klassischer Polizeiarbeit und schätzte bekannt, dass die PKK zu 95 % für den Mord verantwortlich war. Sein vielleicht größter Fehler war es, eine Phantombild-Maschine von Bundeskriminalamt im damalige BRD einfliegen zu lassen und zwei Phantombilden aus verdächtigen Beobachtungen produzieren. Später wurde festgestellt, dass die gemachten Bilder mit ziemlicher Sicherheit nicht den Täter darstellten, aber nichtsdestotrotz die Ermittlungen für lange Zeit in die Irre führten. Mit dem Abgang Holmers wurde der Voruntersuchung in eine neue Phase eingetreten, die hauptsächlich von einem Manne handelte, Christer Pettersson.

Die Christer-Pettersson-Jahre

Der bei weitem bekannteste Verdächtige für die Ermordung von Olof Palme war und ist wahrscheinlich immer noch Christer Pettersson. Sein Name wurde zunächst wegen seiner Ähnlichkeit mit einem der Phantombilder erwähnt. Pettersson war zum Zeitpunkt des Mordes 39 Jahre alt und ein bekannter Süchtiger und Kleinkrimineller. Er wurde 1970 nach einem Konflikt mit einem Unbekannten unweit des Ortes, an dem Palme später erschossen wurde, wegen Totschlags verurteilt. Außerdem fehlte ihm ein zuverlässiges Alibi und einige meinten, er habe sich negativ über Palme geäußert. Er war jedoch bis 1988, zwei Jahre nach dem Mord, für die Ermittlungen nicht von Interesse, bis er zunächst abgehört und später verhaftet wurde. Pettersson glaube, dass er zum Mittagessen wieder zu Hause sein würde. Stattdessen wurde er wegen des Mordes der 29. Mai 1989 in Gewahrsam gehalten und strafrechtlich verfolgt. Er wurde in erster Instanz für die Ermordung von Premier Palme verurteilt, aber in zweiter Instanz vollständig freigelassen.

Nach dem Gerichtsverfahren war Christer Pettersson ein von den bekanntesten Namen in Schweden. Viele Bürger hielten ihn immer noch für schuldig, deswegen bekam er auch eine skrupellose Mediaberichterstattung. Der Drogenabhängige Pettersson wurden große Geldsummen angeboten, um an Fernseh- und Zeitungsinterviews teilzunehmen, und er wurde oft von berühmten Reportern manipuliert, um seine eigene Schuld anzudeuten. Sein chaotisches Leben ging weiter, bis er 2004 nach einem Streit in einem Sozialamt von der Polizei verhaftet wurde. Dem offiziellen Polizeibericht zufolge hatte Pettersson nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus einen epileptischen Anfall und fiel deshalb hin und schlug mit dem Kopf auf das Steinpflaster. Mehrere Personen behaupten jedoch, die Polizei habe ungerechtfertigte Gewalt gegen Pettersson, damals 57, angewendet. Er starb zwei Wochen nach der Kopfverletzung, und der damalige schwedische Premierminister, Göran Persson, verkündete bekanntlich: "Es ist ein trauriges Leben, das zu einem Ende gekommen ist".

Christer Pettersson war ein aufsehenerregender Charakter. Er war stark drogen- und alkoholabhängig und neigte zu Gewaltausbrüchen. Zur gleichen Zeit war er ein gläubiger Mensch der gerne über tiefere Themen nachdachte. Seine Person faszinierte ganz Schweden und er wurde so etwas wie eine Kultfigur. Niemand trat vor, um seine Beerdigung zu arrangieren.

2018 konnten Journalisten in der Fernsehsendung „Uppdrag Granskning“ enthüllen, dass Polizeibeamte, die den Mord an Palme untersuchten, die Ermittlung manipuliert hatten, um Pettersson das Verbrechen anzuhängen. Sie hatten im Verhör mit bekanntem Drogenabhängigen mit der Belohnung für die Lösung des Mordfalls gelockt. Hinweise auf seine Unschuld wurden ignoriert. Darüber hinaus wurde Pettersson aufgrund von Zeugenaussagen, die später als unzuverlässig erachtet wurden, in erster Instanz weitgehend verurteilt. Die Hauptzeugin, Lisbeth Palme, wurde vor der Zeugenkonfrontation darüber informiert, dass der Verdächtige süchtig war. Sie hat Pettersson mit der gut zitierten Phrase, „es ist offensichtlich, wer ein Alkoholiker ist!“ später ausgemacht. Studien in Kriminalpsychologie zeigen, dass die Art und Weise, wie die Zeugenkonfrontation durchgeführt wurde, sie als Beweismittel völlig nutzlos machte. Der derzeitige leitende Ermittler des Mordes, mit dem ähnlichen Namen Krister Petersson, ist zu dem Schluss gekommen, dass Pettersson für die Untersuchung nicht mehr von Interesse ist.

Die Hypothese

Nach Christer Petterson ist bei der Untersuchung nicht viel passiert, bis zu der Pressekonferenz Heute (10. Juni 2020). Das bedeutet nicht, dass der Mord jemals vergessen oder irrelevant war. 1999 veröffentlichte die mit der Auswertung der Untersuchung beauftragte Staatskommission einen Bericht. Er enthält scharfe Kritik daran, wie die Ermittler mit dem Fall gearbeitet hatten. Es gibt über 110 Bücher zum Thema und zahlreiche Journalisten und sogenannte „Privatspanare“ (Ungefähr Privatermittler) haben verschiedene Hypothesen dargelegt. Einige sind glaubwürdiger als andere, aber angesichts des katastrophalen Versagens der polizeilichen Ermittlungen sind sie es doch wert, dass man sich damit befasst. Mehrere haben auch ernsthafte Aufmerksamkeit von der Polizei erhalten.

Einige glauben, dass Palme von der „Stay Behind“-Organisation ermordet wurde. Stay Behind war ein NATO-bezogenes Programm für künftige Guerillakämpfer, die nach einer sowjetischen Besetzung in ihren Herkunftsländern zu den Waffen greifen würden. Obwohl Schweden nie Natomitglied war, gab es auch dort Mitglieder von Stay Behind. Interessanterweise gab es einige Verbindungen zwischen Stay Behind und der Skandia, einer Versicherungsgesellschaft, die ihren Hauptsitz ein paar Meter vom Tatort entfernt hatte. Sowie NATO, mit der USA an der Spitze, als auch Stay Behind-Agenten fühlte wahrscheinlich, dass Palme mit seiner relativ sowjetfreundlichen Politik eine Bedrohung darstellten. Palme kritisierte oft amerikanischer Außenpolitik, was ihn denkbar zum Feind von Pentagon und CIA machte. Dieser Hinweis ist, zumindest offiziell, nicht untersucht worden.

Angesichts ihrer schlechten Leistung bei den Ermittlungen überrascht es nicht, dass einige die Theorie aufstellen, dass die Polizei tatsächlich hinter dem Mord stand. Damals gab es in mehrere Anzeichen auf Rechtsextremismus bei der Polizei in Stockholm. Später deuteten auch einige ehemalige Polizisten an, dass sie vielleicht wissen könnten, wer Palme getötet hat und dass es ein Kollege war. Obwohl es nur wenige konkrete Beweise gibt, haben mehrere die mangelnde Untersuchung der Theorie, dass die Polizei hinter dem Mord stand, kritisiert.

Der Mann namens GH, lebte zum Zeitpunkt des Mordes in der Nähe und hatte einen Revolver mit Kaliber .357 Magnum. Weiter hatte er kein zuverlässiges Alibi für die Nacht des Mordes. 2016 war er noch für die Polizei interessant. Über GH ist nicht viel bekannt, außer dem oben Genannten und dass er sich 2008 umbrachte, als die Polizei ihn besuchte, um sein geistiges Wohlbefinden zu überprüfen.

Das Apartheid-Regime in Südafrika hat lange seine schwarze Mehrheitsbevölkerung auf grausame Weise unterdrückt. Palme war einer der größten internationalen Kritiker des Regimes, und seine sozialdemokratische Partei verfügte über ein Netzwerk, um dem südafrikanischen Widerstand große Geldbeträge zu spenden. Deshalb hatten sie ein Motiv, und südafrikanische Agenten waren bekannt dafür, weltweit Angriffe und Attentate auf die Regimegegner auszuführen. 1996, zehn Jahre nach dem Mord, deutete der südafrikanische Polizeioberst Eugene de Koch an, dass die Apartheid für den Mord an Palme verantwortlich sei. Eine schwedische Delegation reiste schnell nach Südafrika, um Nachforschungen anzustellen, aber die Ergebnisse sind unklar. Es ist jedoch bekannt, dass der südafrikanische Agent Craig Williamson während des Mordes in Stockholm war. Er ist derzeit in seinen Siebzigern, wurde wegen Mordes durch Briefbomben verurteilt und hat stets jede Beteiligung am Fall Olof Palme geleugnet. Der für die letzte Phase der Ermittlungen verantwortliche Polizeibeamte Hans Melander deutete an, dass die südafrikanische Spur noch im Jahr 2020 interessant sei. Doch obwohl es ein klares Motiv gibt, wurde nach einer gründlichen Untersuchung nichts Substantielles gefunden.

Die Zukunft

Als er im Februar 2020 ankündigte, dass die Polizei in Kürze Schlussfolgerungen in dem Fall vorlegen werde, deutete Ankläger Petersson an, dass neue technische Beweise gefunden worden seien. Bei der heutigen Pressekonferenz stellte sich heraus, dass dies nicht der Fall war. Fast unmittelbar nach dem Ende der Pressekonferenz waren die schwedischen Medien voll von Kritik an den schwachen Argumenten des Anklägers. Leif GW Persson, ein prominenter Professor für Kriminologie und in ganz Schweden hoch angesehen, teilte seine Ansichten wie üblich ohne viel Feingefühl mit. „Eine Menge verdammter Seltsamkeiten“, schloss er. Er hat den Mordfall von Anfang an verfolgt, war an der Durchführung eines Lügendetektortests an Christer Pettersson beteiligt und schickte auch selbst eine mutmaßliche Mordwaffe ein. Laut GW, wie er meistens genannt wird, gab es keine substanziellen Beweise gegen Engström. Die Versager der Ermittler wurden als Beweise gegen einen Toten präsentiert.

Obwohl die Untersuchung möglicherweise abgeschlossen ist, ist bereits jetzt klar, dass die Ergebnisse große Teile der schwedischen Bevölkerung nicht zufrieden stellen werden. Obwohl höchst unwissenschaftlich, zeigte eine Umfrage bei einer der größten schwedischen Zeitungen, Aftonbladet, dass bis zu 75 % der über 150.000 Wähler nicht glauben, dass der Fall abgeschlossen ist. Es scheint, als hätten viele Leute neben GW substantiellere Beweise erwartet und als solche wird die heutige Pressekonferenz als eine große Antiklimax angesehen. Leider ist eines der größten Traumata für die schwedische Nation wahrscheinlich noch nicht vollständig gelöst.

86 Ansichten