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500 Jahre Erbmonarchie: Von Vasa bis Bernadotte

Aktualisiert: 21. Juni 2023

von Ida Fahlstedt

Dieses Jahr feiert Schwedens König Carl XVI. Gustaf 50 Jahre als Schwedens Staatsoberhaupt. Der König bestieg den Thron am 15. September 1973. Er ist Schwedens am längsten regierender Monarch aller Zeiten und ist der siebte Regent aus der Familie Bernadotte.

Die schwedische Königsfamilie. Von oben links bis under recht: Kronprinzessin Victoria, Prinzessin Sofia, Prinz Julian, Prinz Carl Philip, Prinz Gabriel, Prinzessin Leonore, Prinz Oscar, Prinzessin Adrienne, Prinzessin Estelle, Prinz Alexander, König Carl XVI Gustaf, Königin Silvia, Prinz Daniel, Prinzessin Madeleine, Herr Chris O'Neil, Prinz Nicolas. Foto: Jonas Ekströmer/The Royal Court of Sweden


Carl Gustaf wurde am 30. April 1946 um 10.20 Uhr im Schloss Haga in Solna, als erster Sohn von Erbprinz Gustaf Adolf und Prinzessin Sibylla, einer deutschen Prinzessin, geboren. Er war der lang ersehnte Thronfolger, denn zuvor wurden vier Mädchen geboren, die Schwestern des Königs: die Prinzessinnen Margaretha, Birgitta, Desirée und Christina. Mit Carl Gustaf war die Thronfolge gesichert, doch das Leben des kleinen Prinzen nahm jedoch schon bald eine dramatische Wendung. Als er geboren wurde, war sein Urgroßvater Gustaf V. König, Carl Gustaf war damit Dritter in der schwedischen Thronfolge. Sein Großvater und Vater sollten das Amt des Staatsoberhaupts vor ihm übernehmen. Doch bevor der heutige König ein Jahr alt wurde, ereignete sich ein Flugzeugunglück in Kopenhagen – die Passagiermaschine der KLM stürzte ab und alle 22 Insassen kamen ums Leben. Darunter auch: Kronprinz Gustaf Adolf, der Vater des Königs. Damit veränderte sich das Leben des kleinen Royals mit einem Schlag: Auszug aus dem Familienheim Haga ins königliche Schloss, Aufrücken in der Thronfolge. Nur drei Jahre später bestieg Großvater Gustaf VI. Adolf den Thron und der vierjährige Carl Gustaf war plötzlich Kronprinz.

Seit 1973 ist er als König Carl XVI. Gustaf Schwedens wichtigster Repräsentant. Während seiner Zeit auf dem Thron hat der König über 80 Staatsbesuche im Ausland durchgeführt, um Schweden und die schwedischen Interessen zu fördern. An seiner Seite ist seit 1976 eine gebürtige Deutsche: Königin Silvia, die er noch als Kronprinz bei den Olympischen Spielen in München kennenlernte. Eine Heirat damals war noch undenkbar, denn nur als König konnte er eine Bürgerliche ehelichen ohne seine Titel zu verlieren.

Der König und die Königin haben drei Kinder: Kronprinzessin Victoria, Prinz Carl Philip und Prinzessin Madeleine. Geboren wurde die Kronprinzessin allerdings als Prinzessin, ihr jüngerer Bruder als Kronprinz. Damals gab es in der

Jubiläumsfoto des Königs Carl XVI Gustaf schwedischen Monarchie eine

Foto: Thron Ullberg/The Royal Court of Sweden kognatische Thronfolge, was bedeutete,

dass Töchter den Thron erben konnten, Söhne jedoch Vorrang hatten. Mit Victorias Geburt begann der Prozess für eine Verfassungsänderung, die jedoch erst 1980 in Kraft trat – Kronprinz Carl Philip war damals schon geboren. Da nun aber die volle Thronfolge galt und der Thronerbe immer das älteste Kind ist, wurde Carl Philip seines Titels entledigt und Victoria zur Kronprinzessin. Ein Vorgang, den der König nicht billigte; er focht die Entscheidung an, dass das Gesetz rückwirkend gelten sollte und äußerte sich selbst 2022 noch negativ zu dieser Änderung Für ihn als Vater, so sagte er, sei es schmerzhaft gewesen, dass seinem Sohn etwas genommen wurde, das einst ihm gehörte. Die Äußerungen würden von der schwedischen Öffentlichkeit nicht gut aufgenommen, sodass der König hinterherschickte, er sei stolz, Kronprinzessin Victoria als seine Erbin zu haben, die eine große Bereicherung für Schweden sei.

In diesem Jahr jährt sich jedoch nicht nur das Thronjubiläum Carl Gustafs, sondern auch der 500. Jahrestag der Wahl von Gustav Vasa zum König von Schweden. Er war von 1523 bis 1560 König von Schweden und begründete das moderne Schweden. Am 6. Juni, dem heutigen schwedischen Nationalfeiertag, wurde er zum König gewählt, und veränderte das Land maßgeblich Seine Regierungszeit ist geprägt von der Einführung einer starken Zentralregierung im gesamten Königreich mit einer effizienten Bürokratie und einer evangelischen Staatskirche auf der Grundlage der Lehren Luthers. Außerdem begründete Gustav Vasa die schwedische Erbmonarchie.

Gustav Vasa soll 1496 als Sohn eines Ritters geboren worden sein. Schon in jungen Jahren beteiligte er sich am politischen Geschehen Schwedens. Zu Beginn seines Lebens befand sich Schweden im Krieg mit Dänemark, als Dänemarks König Kristian II. auch Schwedens König sein wollte. Viele historischen Quellen aus dieser Zeit sind nicht zuverlässig, aber wir wissen, dass Gustav Vasa vom dänischen König Kristian II. zwei Jahre in Dänemark inhaftiert wurde. Nach diesen zwei Jahren gelang Gustav Vasa die Flucht nach Lübeck, wo er acht Monate blieb, bevor er nach Schweden zurückkehren konnte. In dieser Zeit gelang es Kristian II., die schwedischen Truppen zu besiegen, die jetzt führerlos waren.

Als Gustav Vasa nach Schweden zurückkehrte, war der Däne zwar noch nicht Schwedens unangefochtener Führer. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich die jeweiligen Parteien einigten und Kristian II. zum König von Schweden erklärte Gustav Vasa oder König Gustav I

wurde. Kurz darauf lud Kristian II. seine

ehemaligen politischen Gegner zu seiner Krönung ein. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich um eine Falle handelte: Der neue König ließ die Gäste beim Stockholmer Massaker hinrichten. Etwa 90 Menschen wurden hingerichtet, darunter Gustav Vasas Vater. Auch seine Mutter und seine Schwestern wurden gefangen genommen.

Daraufhin wurde Gustav Vasa endgültig zum Anführer der Rebellion gegen Dänemark und schaffte es, eine beeindruckende Bauernarmee hinter sich zu sammeln. 1523 wurden die letzten Festungen eingenommen, die verbliebenen Truppen Kristians kapitulierten und Gustav Vasa wurde zum König gekrönt.

Die Familie Vasa ist Schwedens bekannteste Königsfamilie, auch wenn sie nur vier Generationen und sieben Regenten, lang regierte, bis Königin Kristina abdankte und den Thron ihrem Cousin übergab. Im frühen 19. Jahrhundert fehlte es dann ganz an Erben, nachdem ein im Finnlandkrieg erfolgloser König abgesetzt zu Gunsten seines Onkels abgesetzt wurde. Jener Onkel, Karl XIII. aus dem Hause Oldenburg, hatte jedoch keine Kinder, sodass er einen General Napoleons adoptierte: Jean Baptiste Bernadotte, der erbte als Karl XIV. Johan den schwedischen Thron, und die heutige Königsfamilie begründete. Im rechtlichen Sinne ist das Königshaus Bernadotte somit eine nichtgenealogische Seitenlinie des Hauses Oldenburg.

Zusätzlich zum französischen Namen verfügt das schwedische Königshaus auch nicht über sehr viel schwedische Gene. Die Vorfahren des schwedischen Königs waren größtenteils deutsch, mit einigen britischen und französischen Genen. Prinz Daniel, der Ehemann der Kronprinzessin, ist tatsächlich der erste Schwede, der während der Regierungszeit der Familie Bernadotte in die Familie Bernadotte einheiratet.

Zeitplan für das Jubiläumsjahr

Das Jubiläumsjahr 2023 begann im Januar mit dem Sverigemiddag, einem Abendessen im Königlichen Schloss in Stockholm, zu dem waren Vertreter aller schwedischen Landkreise eingeladen.

Im Jahr 2023 werden der König und die Königin im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50. Thronjubiläum von König Carl XVI. Gustaf die 21 län (ähnlich wie Landkreise) Schwedens besuchen. Die Besuche begannen am 9. Februar in Nyköping und enden am 7. September in Karlstad in Värmland. Die Kreisbesuche finden in den Wohnorten des jeweiligen landshövding (Regierungschef der Provinzialregierung) statt, die auch als Gastgeber fungieren. Die Besuchsprogramme sind vielfältig, umfassen aber unter anderem öffentliche Veranstaltungen, bei denen der König und die Königin die Möglichkeit haben, die Bewohner der Region zu treffen.

Die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 6. Juni fielen in diesem Jubiläumsjahr umfangreicher aus als sonst und setzen den Fokus auf das 500-Jahr-Jubiläums Schwedens

Der 50. Jahrestag des Königs auf dem schwedischen Thron wird am 15. und 16. September in Stockholm gefeiert. Am Freitag, 15. September, findet ein Te Deum in der Schlosskirche des Königsschlosses statt. Tagsüber wohnt der König auch einer Wachablösung bei, im Hof des Königsschlosses singt ein Chor zu seinen Ehren. Am selben Abend findet im Rikssalen des Königsschlosses ein Jubiläumsessen statt. Am Samstag, den 16. September, fährt das Königspaar mit einer Kutsche durch die Hauptstadt.

Im Laufe des Jahres werden im Zusammenhang mit dem Jubiläumsjahr Ausstellungen im Königsschloss und im Slottsbacken in der Altstadt von Stockholm organisiert. Darüber hinaus steht Gustav Vasa im Schloss Gripsholm unter andrem mit Vorträgen und ausführlichen Führungen im Mittelpunkt.

Prinzessin Estelle und Prinz Oscar in traditioneller schwedischer Kleidung zum schwedischen Nationalfeiertag 6. Juni. Foto: Linda Broström/The Royal Court of Sweden

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