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Dokumentarfilm: Historjá - stygn för Sapmi



Eine Person wandert durch eine weite weiße Winterlandschaft. Zuerst sieht man sie weit aus der Ferne, im nächsten Clip folgt die Kamera der Person, während sie in ihren samischen Rentier-Schuhe durch den Schnee stapfet, dann sieht man sie wieder aus der Ferne. Die Stimme von Britta Marakatt Labba erklingt, “Ich hatte einmal einen Traum, der so deutlich und klar war. Es gab eine weite Winterlandschaft, und ich sah, wie man die Ren-tiere über einen See trieb. Aber plötzlich gibt das Eis nach und die Rentiere gehen unter Wasser”.  So fängt der Dokumentarfilm “Historjá- stygn för Sapmi” (Historjá - Stiche für Sapmi) an.

 

Ausgehend von diesem Traum hat Britta Marakatt Labba ein Bild gestickt, das sie “Die Eis ist gebrochen” nennt. Als das Bild fertig war, geschah genau wie in ihrem Traum: Eine große Herde Rentiere brach durch das Eis. “Die Träume können uns manchmal klarsehen lassen”, sagt Britta Marakatt Labba. Ein weiteres Portrait über Britta Marakatt Labba können Sie hier lesen.


Drei Jahre lang folgten der Regisseur Thomas Jackson und sein Fotograf der samischen Künstlerin Britta Marakatt Labba. Der Film nimmt seinen Ausgangs-punkt in dem 24 Meter langen Kunstwerk "Historjá" von Britta Marakatt Labba, das bei der Documenta 14 gezeigt wurde. Das Kunstwerk ist eine Zeitlinie der samischen Geschichte und beginnt mit dem Urwald. Es gibt uns einen Einblick in die Geschichte und die verschiedenen Kämpfe der Samen. 


Foto: Documenta Archiv

Der Film schildert das Leben und die Arbeit von Britta Marakatt-Labba, die Lebens-geschichten ihrer Familie und ihren Alltag. Es ist eine dringliche Geschichte über die Samen und ihre Kultur, über Rentierzucht und schwedischen Kolonialismus, über die Klimakrise und ihre Auswirkungen auf Sápmi, über die Erkundung des Bergbaus, Hoffnung und Beharrlichkeit.


Der Film ist visuell beeindruckend und eignet sich für die Vorführung im Kino oder auf einer großen Leinwand. Er ist ein Film voller schöner Naturschilderungen der nördlichen Land-schaften Schwedens und die Wechseln der Jahreszeiten. Thomas Jackson hat versucht, die Natur als Charakter im Film darzustellen, durch schöne Naturaufnahmen und auch durch den Klang.

  



Foto: Documenta Archiv

Der Film beleuchtet die Rolle der Rentiere als Rückgrat der samischen Kultur. Sie werden

nicht nur für Kunst-handwerk und Lebens-mittel verwendet, sondern sind auch wichtig für die Erhaltung der Sprache und das Geschichtenerzählen. Darüber hinaus sind viele Rechte der Samen in Schweden mit den Rentieren und der Rentierzucht verbunden. In ihre Stickereien mahlt Britta Marakatt Labba mit Nadel und Faden die Welten der Samen, die physische und die mythologische. Die “Nachtwirklichkeit” ist die Welt der Unter-irdischen, dann gibt es die Welt, in der wir Menschen leben, und dann auch die Welt über uns. Im Film kehrt sie oft zu den Unterirdischen zurück; sie sind wichtig in ihrem Leben. 

 

Die Unterirdischen sind mythologische Wesen, die uns erzählen, wie wir uns gegenüber der Natur und gegeneinander benehmen sollen. Britta Marakatt Labba sagt, genau diese Magie, wie die Natur zu uns sprechen kann, wenn wir nur zuhören, diese Philosophie haben die Samen immer gehabt. Sie selbst hat auch einen Dialog mit der Natur, von kleinstem Steinen bis zum größten Bach, und vor allem mit den Bergen.


In einer Sequenz des Films spricht die Künstlerin auf Samisch mit dem Bergbach. "Und so kam ich zu dir zurück, mein Bergbach, es tut so gut, dich wiederzusehen. Es ist zwei Jahre her, dass ich dich gesehen habe. Es tut meinem Herzen so gut, zurückzukommen."  


Die Samen haben eine tiefe und spirituelle Verbundenheit mit der Natur und die Vorstellung, dass alles sein eigenes Lebewesen hat und beseelt ist. In der samischen Kultur wird der Mensch als integraler Bestandteil der Natur betrachtet. Der Bergbach ist einer ihrer engsten Freunde, mit dem sie schon als Kind gesprochen hat. Aus der Sicht der inneren Welt, in der sie sich befindet, macht das durchaus Sinn.


Die großen Unternehmen interessieren sich nicht für die Kultur oder den Glauben der Samen, ihre Mythologie oder die Unterirdischen. Laut Britta Marakatt Labba halten sie das einfach für Quatsch, aber die großen Unternehmen werden für diese Arroganz zehnfach bezahlen - wenn die Menschen abholzen und an sich raffen, wird die Natur zurückschlagen, sagt Britta Marakatt Labba. 

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