Biathlon – Trendsport in Schweden und darüber hinaus

Aktualisiert: 2. März 2019


von Jessica Bollnert und Stefan Marx

Biathlon ist faszinierend und ist heute ein sehr beliebter Fernsehsport. Das macht sich auch in den Zuschauerzahlen bemerkbar – gerade in Deutschland ist Biathlon enorm populär. Zwischen 5 und 6 Millionen Deutsche sehen im Schnitt die Biathlon-Wettrennen an den Winterwochenenden. Namen wie Laura Dahlmeier sind den Deutschen längst geläufig – mit 180.000 Followern auf Facebook und 150.000 auf Instagram ist die Sportlerin mittlerweile eine echte Influencerin.


Nach einer Krisenphase hat sich der Erfolg auch im schwedischen Biathlon wiedereingestellt. Mitverantwortlich dafür ist ein Deutscher: Der Erfolgstrainer Wolfgang Pichler half der jungen schwedischen Mannschaft mit zielgerichteter Anleitung wieder ganz nach oben. Das wurde belohnt: mit Gold für die Herren-Staffel, Gold für Hanna Öberg in der Normaldistanz und Silber für Sebastian Samuelsson in der Normaldistanz. Mit den sportlichen Erfolgen kam auch ein wirtschaftlicher Aufschwung für den schwedischen Biathlon-Verband.



Biathlon Hauptstadt Östersund


Auch ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt des Sports sind die großen Events, wie die Biathlon Weltmeisterschaft, die Östersund in diesem Jahr austrägt. Östersund wird als Schwedens „Biathlon-Hauptstadt“ angesehen. Hier ist der Sitz des schwedischen Verbandes, hier wohnt und trainiert die gesamte schwedische Mannschaft. Verband und Kommune haben kräftig in perfekte Verhältnisse investiert. Nur rund 15 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum entfernt liegt die Biathlon-Arena mit stets gut präparierten und beleuchteten Loipen. Allein durch die WM in diesem Jahr erwartet man eine ganze Reihe von positiven Effekten für die Region: Schon rein wirtschaftlich ist die Veranstaltung für die 45.000-Einwohner-Stadt sinnvoll: Man rechnet mit 120.000 Besuchstagen bei der WM in Östersund. Und diese Besucher wollen wohnen, essen und einkaufen. Schätzungen zufolge werden die Angereisten während der WM mindestens 15 Millionen Euro ausgeben.

Außerdem fungieren solche Veranstaltungen auch als perfekter Werbeträger. Millionen von Deutschen kennen das sonst eher unbekannte Östersund wegen der jährlichen Sendungen von Biathlon-Events. Die diesjährige WM wird potentiell von an die 500 Millionen Menschen weltweit im Fernsehen gesehen. Diese Bekanntheit führt auch dazu, dass Östersund das ganze Jahr über zusätzlichen Tourismus verbuchen kann. Die Bilder von Natur, Kultur und Sport, die immer wieder eingeblendet werden, zeigen die Region von ihrer besten Seite. Zahlreiche ausländische Touristen gaben in einer Untersuchung an, dass sie durch eine Biathlon-Übertragung auf Östersund aufmerksam geworden sind.


Liegt die Zukunft des deutschen Biathlon im Ruhrgebiet?


Erfreulich für den schwedischen Biathlon-Verband ist neben den erfolgreichen Spitzensportlern zusätzlich, dass Biathlon sich zu einer Trendsportart entwickelt. Der Sport wächst stark in ganz Schweden, interessanterweise am stärksten im Süden des Landes, wo es verhältnismäßig wenig Schnee gibt. Die immer besseren Skiroller helfen hier. Bei der Jugend ist der Sport beliebter als klassisches Langlaufen, weil er mehr Abwechslung bietet.

Generalsekretär des schwedischen Biathlon-Verbandes Ingemar Arwidson ist enthusiastisch: „Wir sehen nun schon seit einigen Jahren diesen positiven Trend. Ich wage zu behaupten, dass dies ein Resultat unserer bewussten Arbeit mit Erneuerung und Veränderung ist. Interessant für die Zukunft des Biathlon-Sports in Deutschland wird sein, ob diese Trends aus Schweden sich auch hierhin übertragen lassen. Wer weiß, vielleicht liegt die Zukunft für den deutschen Biathlon ja im Ruhrgebiet oder in Hamburg statt in Ruhpolding oder Oberhof…


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